Wolters Kluwer Deutschland

Global Legal Hackathon 2019: „Unsere Vision kann nun Realität werden“

Interview mit Christian Hartz - Global Legal Hackathon 2019

Mit seinem Team und der gleichnamigen App „Uthority“ hat Christian Hartz die Jury auf dem Global Legal Hackathon in Frankfurt am Main gleich doppelt überzeugt: Sowohl die Sustainability Challenge als auch den Gesamtsieg hat das Team abgeräumt. Im Interview erklärt der 36-Jährige, der im „echten Leben“ als Legal Engineer bei Wolters Kluwer arbeitet, warum jeder Jurist einen Hackathon erleben sollte und warum seine Idee einer Behördensprachen-App jedem Menschen helfen kann.

 

Lieber Christian, herzlichen Glückwunsch zum Sieg beim Global Legal Hackathon in Frankfurt! Mit welcher Idee habt ihr gewonnen?
Vielen Dank für die Glückwünsche. Wir haben mit der Idee, Behördenschreiben endlich für jedermann verständlich zu machen, gewonnen. Im Kern wollen wir durch eine App die komplizierte Amtssprache für Menschen mit wenigen Klicks verständlich machen: Der Nutzer muss lediglich das Schreiben fotografieren und er erhält sofort eine kurze Zusammenfassung in verständlicher Sprache und Vorschläge für nächste Schritte.

Du hast die Idee für Dein Team „Uthority“ vorgestellt, wie bist Du darauf gekommen?
Letztes Jahr bekamen alle Nachbarn in unserer Straße plötzlich einen Bescheid über die Heranziehung zu Straßenausbaubeiträgen für eine Straße, die Anfang der 2000er neu gebaut worden war. Viele Nachbarn waren mit dem Schreiben völlig überfordert und wussten nicht, was sie tun sollen. Wie es dann häufig in einem kleineren Dorf ist, kennt man jemanden, der jemanden kennt, und so haben sich einige zusammengeschlossen, um gemeinsam das Schreiben zu verstehen. Einige sind jedoch vermutlich außen vor geblieben oder haben es auf eigene Faust versucht.

Warum man jedoch Jurist oder juristisch vorgebildet sein muss, um mit Behörden auf Augenhöhe kommunizieren zu können, leuchtet mir bis heute nicht ein. Und so kam es zur Idee, mit den neuen Möglichkeiten, die Künstliche Intelligenz oder Machine Learning bieten, endlich für jeden Behördenschreiben verständlich zu machen.

Wie hast Du den Hackathon in Frankfurt am Main empfunden?
Der Hackathon war eine Erfahrung, die ich jedem Juristen oder juristisch interessiertem Informatiker nahelegen möchte. Es war eine sehr intensive aber auch turbulente Zeit.

Unser Team hat sich schnell gefunden und wir haben uns mehr oder weniger direkt nach dem Pitch in einen Raum „eingesperrt“ und in jeder möglichen Minute super fokussiert gearbeitet. Marianna Matokhniuk hatte als langjährige Projektmanagerin die Leitung übernommen und gemeinsam mit unserem ganzen Team haben wir fieberhaft an der Umsetzung unserer Vision gearbeitet. Jeder im Team hat sich unheimlich schnell in seine Rolle eingefunden und dann ging es nur noch darum, die vorhandene Zeit bestmöglich zu nutzen. Wir hatten auch das Glück, dass wir als Team sehr unterschiedlich aufgestellt waren. Wir hatten zum Beispiel drei Entwickler, wovon einer hauptsächlich Backend, einer im Frontend und einer im Bereich von iOS-Apps unterwegs ist.

Die Wahl der Location war perfekt; alle Wünsche, die wir hatten wurden erfüllt. Teilweise hatten wir sogar mehrere Beamer in Benutzung, damit alle Teilteams perfekt arbeiten konnten. Das Organisations-Team hat bei allen unseren Fragen geholfen und uns somit perfekt unterstützt. Hierfür möchten wir uns auch noch einmal ganz herzlich bedanken. Und selbst als kurz vor unserem Pitch die Technik nicht so funktionierte, wie wir wollten, hat unser Team gemeinsam eine Lösung gefunden.

 

Was machst Du beruflich, wenn Du nicht gerade Hackathons gewinnst?
Seit Jahresbeginn bin ich bei Wolters Kluwer Deutschland als Legal Engineer im Team Innovation/UX Legal tätig. Ich bin also noch ganz neu dabei. Hier bin ich direkt an der Schnittstelle zwischen Juristen und Informatikern tätig und darf an vielen sehr spannenden Projekten arbeiten: Dazu gehören aktuell die Entwicklung unserer neuen Expertenlösung für das Baurecht, die Arbeit an einer semantischen Suchfunktion, aber auch internationale Projekte, z.B. zum Thema „Predictive Analytics“.

Als Sieger in Frankfurt seid Ihr jetzt in der Zwischenrunde. Wie geht es weiter und was sind Deine Erwartungen an den weiteren Verlauf des Global Legal Hackathon?
Wir müssen den Juroren ein Video und eine Präsentation für die Zwischenrunde zur Verfügung stellen, die ja virtuell stattfinden wird.

Auch haben wir den Ehrgeiz, unsere App bis dahin soweit vorzubereiten, dass die Juroren sie auch auf ihrem eigenen Gerät ausprobieren können. Wir haben das große Glück, dass wir als Sieger der Sustainability Challenge auf die Unterstützung von Wolters Kluwer zurückgreifen können. Neben zehn Entwicklertagen haben wir drei Jahre kostenfreies Hosting gewonnen. Das hilft uns bereits in dieser frühen Phase immens. Wir sind sehr gespannt, was der Global Legal Hackathon noch für neue Erfahrungen bieten wird. Aber bereits jetzt haben wir sehr viele Kontakte zu Menschen knüpfen können, die unsere gemeinsame Vision teilen. Viele von ihnen wollen uns helfen, unsere Vision Realität werden zu lassen.

Selbst wenn wir nicht das Finale des Global Legal Hackathon in New York erreichen sollten, schmieden wir schon große Pläne… Denn unser Ziel steht fest: Alle Menschen sollen endlich Behördenschreiben verstehen können.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in der Zwischenrunde!