Wolters Kluwer Deutschland

Global Legal Hackathon 2020 – die Jurymitglieder: Lina Krawietz

Vom 06. bis zum 08. März 2020 findet in Köln mit dem Global Legal Hackathon 2020 eine von zahlreichen nationalen Vorausscheidungen weltweit für das Finale am 16. Mai 2020 in London statt. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von Wolters Kluwer Deutschland, einem der führenden Anbieter von Fachinformationen, Software und Services im Bereich Recht, Wirtschaft und Steuern, und Ebner Stolz, einer der größten unabhängigen mittelständischen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland. Wir stellen die Jury des Global Legal Hackathon 2020 vor.

„Der Anwender muss im Mittelpunkt stehen“

Interview mit Lina Krawietz, 29, Co-Founderin & Managing Partnerin der Innovationsberatung „This is Legal Design“. Als „Legal Designerin“ begleitet sie Innovationsvorhaben an der Schnittstelle von Recht, Technologie und Mensch. Lina ist zudem Co-Chefredakteurin der juristischen Fachzeitschrift REthinking Law und vertritt als Mitglied des rechtspolitischen Beirats der ROLAND Rechtsschutz-Versicherungs-AG das Thema „Digitalisierung“.

Was ist Ihr Fachgebiet?

Recht, Legal Tech und Design. Nach meinem 1. Staatsexamen habe ich ein Zusatzstudium in Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut absolviert und bei SAP in der Software-Innovation gearbeitet. Dabei habe ich gelernt, dass die digitale Transformation einer Branche nur dann gelingen kann, wenn sich die Entwicklung von Software an Nutzerbedürfnissen orientiert. Weil das auch für die Rechtsbranche gilt, für die Legal Tech eine immer wichtigere Rolle spielt, habe ich im Sommer 2018 mit Joaquín Santuber und Alisha Andert „This is Legal Design gegründet. Wir begleiten Kanzleien, Rechtsabteilungen sowie andere Organisationen mit juristischem Bezug dabei, Nutzerbedürfnisse zu erkennen und mit Hilfe von Legal Design, das heißt, unter anderem mit Design-Thinking-Methoden, in innovative Produkte, Dienstleistungen, Systeme und Umwelten zu übersetzen. Daneben bilden wir einen international vernetzten Think Tank, der an Innovationsmethoden forscht und diese für den Rechtbereich nutzbar macht.

Was genau ist Legal Design?

Legal Design ist ein designorientierter, methodischer Ansatz, der juristisch geprägten Innovationsprozessen einen Rahmen gibt – vom Verstehen des Problems über die Gestaltung von Ideen bis hin zur Entwicklung und Implementierung einer Lösung. Legal Design bedeutet, sich von Anfang an in die Perspektive der NutzerInnen hinein- und mit deren Lebens- und Arbeitsrealität auseinanderzusetzen. Der Anwender muss im Mittelpunkt stehen. Dabei gilt es, den jeweiligen Kontext mitzuberücksichtigen, so dass sich eine Lösung am Ende auch wirklich in die vorhandenen Strukturen einfügen lässt, dort konkret gebraucht und gerne genutzt wird.

Welche Erwartungen haben Sie als Jurymitglied an den Global Legal Hackathon 2020?

Ich freue mich auf interdisziplinäre Teams aus kreativen JuristInnen, ProgrammiererInnen, DesignerInnen und WirtschaftswissenschaftlerInnen. Es wird sehr spannend sein, ihnen über die Schulter zu schauen und zu beobachten, wie sie den ihnen zur Verfügung stehenden Werkzeugkasten an unterschiedlichen Fähigkeiten einsetzen, um gemeinsam innovative, neue Lösungsansätze zu gestalten. Ich wünsche mir, dass unsere „Hacker“ mit ihrer Arbeit an den Challenges den Grundstein für einen neuen Standard im „Access to Law“ legen.

Worauf werden Sie bei den vorgestellten Projekten/Ideen besonders achten? Worauf kommt es besonders an?

Ich pflege zu sagen: Recht und Technologie sind immer nur so gut wie der Zweck, den sie tatsächlich erfüllen. Ich werde daher besonders darauf achten, ob sich die Teams über die Nützlichkeit und die Nutzbarkeit ihrer Ideen Gedanken gemacht haben. Es kommt mir vor allem darauf an, wie die Ideen zustande gekommen sind, beziehungsweise inwieweit die Teams die jeweiligen Anwender in ihre Überlegungen einbezogen haben. Ich erwarte, dass sich unsere TeilnehmerInnen bemühen, Zwecke zu definieren, die über die Automatisierung um der bloßen Automatisierung willen hinausgehen.

Welche Entwicklungen und Veränderungen erwarten Sie für den Rechtsmarkt in den kommenden fünf bis zehn Jahren vor dem Hintergrund der Digitalisierung?

400 Lizenzen von einer Legal Tech Software eingekauft zu haben, wird sich in vielen Kanzleien und Rechtsabteilungen als wenig bis gar nicht rentabel herausstellen – und zwar überall dort, wo weder die Entscheidung für eine bestimmte Software, noch die verfolgte Implementierungsstrategie, hinreichend an den Bedürfnissen und der Arbeitsrealität der Anwender ausgerichtet wurde. Die Branche wird realisieren: Legal Tech entfaltet überhaupt nur dort Relevanz, wo Legal Tech auch genutzt wird. Vor diesem Hintergrund wird Legal Design eine – wenn nicht sogar DIE – entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, die Digitalisierung der Rechtsbranche in Zukunft strategischer, ganzheitlicher und vor allem nutzer-zentrierter anzugehen.

Weitere Infos und die Anmeldung zum Global Legal Hackathon gibt es hier