Wolters Kluwer Deutschland

Wir sind auf dem Weg zu einer Datenökonomie

Wir sind auf dem Weg zu einer Datenökonomie

Christian Dirschl ist Chief Content Architect im Legal Innovation Team von Wolters Kluwer Deutschland und Mitglied des Advisory Boards der SEMANTiCS Konferenz. Im Interview mit SEMANTiCS spricht er über seinen Job, die Rolle semantischer Technologien und über die diesjährige SEMANTiCS-Konferenz in Wien.

Dieses Interview erschien im Original auf Englisch auf der Website der SEMANTiCS-Konferenz.

Christian Dirschl, Wolters Kluwer war früher ein traditioneller Verlag, hat aber inzwischen erfolgreich bewiesen, wie digitale Transformation umgesetzt werden kann. Können Sie uns bitte ein paar Einblicke geben, wie das Portfolio entwickelt hat?

Christian Dirschl (CD): Noch vor zehn Jahren waren wir ein traditioneller, global agierender Fachverlag mit extrem viel Fachwissen in Themen wie Recht, Steuern und Gesundheit. Unser Portfolio fußte hauptsächlich auf Printprodukten wie Büchern, Loseblattwerke und Zeitschriften. Wir hatten zwar Software und auch andere Digitalangebote wie Fachdatenbanken im Angebot, waren aber insgesamt noch sehr printzentriert.

Inzwischen sind wir ein Unternehmen geworden, dessen Umsatz auf globaler Ebene zu etwa 88% aus Digitalprodukten und Services besteht. Unsere Hauptkompetenz ist sicher noch immer unsere Inhaltekompetenz und das Wissen über die tägliche Arbeit unserer Kunden. Hinzu kommt eine globale Technologiekompetenz, so dass sich unser Portfolio enorm weiterentwickelt hat. Unser Anspruch ist, unseren Kunden digitale Angebote zur Verfügung zu stellen, mit denen sie ihre kritischen Entscheidungen effizienter und rechtssicherer treffen können.

Sie sind der Chief Content Architect bei Wolters Kluwer. Was bedeutet diese Position genau?

Ganz ehrlich: ich liebe meinen Job. Ich bin Teil des kürzlich gegründeten Innovations- und UX-Teams hier in Deutschland. Meine Hauptaufgabe besteht darin, neue technologische Trends vor allem in den Bereichen Data Science, Artificial Intelligence und Big Data zu identifizieren, zu verstehen und zu evaluieren. Es geht dabei vor allem um Trends, die uns dabei unterstützen können, unseren Transformationsprozess hin zu einem datengetriebenen Unternehmen zu unterstützen. Deshalb beteiligen wir uns mit großem Engagement an H2020 Förderprojekten wie LOD2 und ALIGNED.

Ich initiiere aber auch Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen wie dem ADAPT Center in Irland und ich treibe den Erfahrungsaustausch verbunden mit meiner immer stärker werdenden Neugier bei Konferenzen wie der SEMANTiCS voran. Bei Wolters Kluwer ist das Ziel jedoch immer, Technologien für Anwendungen in operativen Systemen zu entwickeln und nutzbar zu machen. Deshalb freue ich mich immer dann am meisten, wenn diese Technologien letztendlich dazu genutzt werden, um unseren Kunden bei ihren Aufgaben zu helfen.

Das sich ständig verändernde technologische Umfeld treibt ja auch die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle an. Erläutern Sie bitte kurz, weshalb semantische Technologien dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Unser Geschäftserfolg basiert auf Inhalten und Wissen. Ein Anwalt muss beispielsweise wissen, welche neue Rechtsprechung Einfluss auf seine aktuelle Arbeit hat; ein Arzt muss mit seinen Fähigkeiten und seiner Erfahrung auf dem Stand der Wissenschaft bleiben, damit er seine Patienten optimal unterstützen kann.

Semantik ist ein absolut kritischer Bestandteil bei diesen Aufgaben, da sie das Wissen, das sich früher nur in den Köpfen unserer Autoren befand, jetzt für die Computer und Software unserer Kunden nutzbar macht. Somit macht Semantik, z.B. in Form eines Wissensgraphen, professionelle AI-Systeme wie Data Analytics Anwendungen oder auch einfachere Applikationen wie effiziente Workflowtools überhaupt erst möglich und nachhaltig.

Sie verfolgen diese Entwicklungen ja seit den frühen 1990er Jahren und seit 2001 auch bei Wolters Kluwer. Technische Entwicklungen kommen und gehen. Wohin denken Sie wird der Weg für inhalts- und datengetriebene Technologien gehen?

Diese Technologien werden definitiv an Bedeutung gewinnen, da wir uns alle hin zu einer globalen Datenökonomie bewegen mit all den damit verbundenen Möglichkeiten, Herausforderungen und Risiken. Ich denke, die Aufgaben an sich werden auch weiterhin komplex bleiben und es ist derzeit keine „Weltformel“ in Sicht, die alles lösen wird. Aus diesem Grund wird Technologie zwar immer mehr können, aber gleichzeitig werden und müssen Fragen rund um Cybersecurity, Ethik im digitalen Zeitalter und gesellschaftliche Auswirkungen weiterhin im Zentrum unserer Diskussionen und Entscheidungen stehen. Wir als Gesellschaft müssen entscheiden, was für unsere Zukunft akzeptabel ist und was nicht.

Wolters Kluwer ist ein wichtiger und erfahrener Partner in Forschungsprojekten. Wie sehen Kooperationen mit Forschern genau aus? Wie profitieren Sie am Ende davon?

Kooperationen mit der Forschung sind ganz klar eine wichtige Säule unserer Innovationsstrategie. Innovation ist der Haupttreiber unseres Transformationsprozesses – und Innovation benötigt immer auch Impulse von außen. Die inzwischen etablierten Kooperationen unterscheiden sich stark in Art und Umfang. Da gibt es staatlich geförderte Forschungsprojekte, eigene Industrieprojekte mit einem klaren Produktentwicklungsfokus, aber genauso veranstalten und unterstützen wir Events wie Hackathons und Konferenzen. Und natürlich unterstützen wir wissenschaftliche Ergebnisse dadurch, dass wir innovative Technologien in unsere eigenen Systeme integrieren bzw. Spin-offs von Universitäten auch finanziell unterstützen.

Der Hauptnutzen für uns liegt im Know-how- und Technologietransfer in unsere sich ständig modernisierende Organisation hinein. Zusätzlich stellen wir auch Forscher fest ein, die wir im Rahmen dieser Kooperationen kennen und schätzen gelernt haben. Diese neuen Kolleginnen und Kollegen ergänzen immer wieder hervorragend die Wolters Kluwer Familie mit neuen Fähigkeiten und Ideen.

Sie sind im Advisory Board der SEMANTiCS. Wieso sollte ein CIO die Konferenz besuchen?

CIOs sind durch die sich ständig verändernde Rolle in ihrem Unternehmen mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Sie müssen die richtigen Entscheidungen für das Daily Business treffen, aber auch ein klare IT-Strategie im Kopf haben, insbesondere über die zukünftige Rolle von Informationen in ihrem Unternehmen. Die SEMANTiCS hat ja mit ihrem klaren Fokus auf Industrieanwendungen auf der einen Seite und Know-how-Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse auf der anderen Seite genau den passenden dualen Ansatz, um als perfekte Informationsquelle für beide Herausforderungen dienen zu können.

Referenten aus der Industrie sprechen über innovative Technologie, die bereits ihre Praxistauglichkeit in operativen Umgebungen unter Beweis gestellt hat, und Forscher stellen Trends und Erkenntnisse vor, die sich für strategische Überlegungen als nützlich erweisen könnten. Und all das kann man in konzentrierter Form innerhalb von nur zwei Tagen im wunderschönen Wien erleben und mitgestalten.

Alle Informationen zur SEMANTiCS 2018 finden Sie hier.