Wolters Kluwer Deutschland

Über den Verlag

Eine Jahrhundertgeschichte

Der Carl Heymanns Verlag ist einer der führenden Verlage für juristische Fachliteratur. Für den heute zum Informationsdienstleister Wolters Kluwer gehörenden Verlag mit Sitz in Köln verfassen Wissenschaftler und Praktiker Literatur aus dem gesamten Spektrum der juristischen Fachinformationen: von Kommentaren und Handbüchern über Monografien bis hin zu Zeitschriften.

Entscheidungssammlungen Oberster Bundesgerichte gehören zu den Schwerpunkten des Verlagsprogramms und haben besondere Tradition – bereits 1846 begann der Verlagsgründer mit der Herausgabe der Entscheidungen der obersten preußischen Gerichte. Bis heute erscheinen renommierte Entscheidungssammlungen im Carl Heymanns Verlag, so begleitet und dokumentiert er die Arbeit des Bundesgerichtshofs bereits seit seiner Gründung durch die Herausgabe der Entscheidungssammlung des BGH in Zivilsachen.

Unternehmerischer Mut zahlt sich aus

Im Herbst 1815 legt Carl Heymann mit der Eröffnung eines Antiquariats mit Leihbibliothek in Glogau (Schlesien) den Grundstein für das Verlagshaus. Damit trotzt er der damals deprimierenden wirtschaftlichen Lage Preußens mit unternehmerischem Mut. Als er später seine Buchhandlung um einen Verlag erweitert, ist der Carl Heymanns Verlag geboren. Als erstes selbständiges Verlagswerk erscheint 1826 die Textausgabe der allgemeinen Gebührentaxe für die Justizkommissarien und Notarien in den Preußischen Staaten. Bald darauf wird Der Haussekretair für Preußische Staaten veröffentlicht. Dieses praktische Handbuch mit Vorlagen, Anleitungen und einer Übersicht der wichtigsten Gesetze für die Prozessführung findet reißenden Absatz, Neuauflagen können kaum schnell genug gedruckt werden. Dieser erste große Erfolg von Carl Heymann hat bis heute Bestand: die Heymanns Formularbücher.

1835 siedelt Carl Heymann nach Berlin über. Hier verlegt er mit der Kameralistischen Zeitung für die Königlich preußischen Staaten eine der ersten deutschen Zeitschriften für Verwaltungsrecht und frühe Vorläuferin des Deutschen Verwaltungsblattes. Schnell macht sich sein Verlag im Bereich juristischer Fachliteratur einen Namen und Heymanns wird 1846 vom preußischen König mit dem Titel des Kommerzienrates ausgezeichnet. Der Ehrentitel verdeutlicht die Wertschätzung, die der verlegerischen Arbeit von Heymann entgegengebracht und die Bedeutung, die der Herausgabe von Rechtsliteratur Ende des 19. Jahrhunderts beigemessen wurde. Im gleichen Jahr begann der Verlag mit der Herausgabe von Entscheidungssammlungen Oberster preußischer Gerichte. 1847 umfasst das Verlagsprogramm bereits 144 rechtswissenschaftliche Werke. Fünfzehn Jahre später, 1862, stirbt der Verlagsgründer. Das Unternehmen wird zunächst von der Familie weitergeführt und 1863 an Dr. A. E. Wagner verkauft, auf den 1867 als Inhaber M.F. Fleischinger und Julius Imme folgen. 1869 erscheint das Formularbuch für die Freiwillige Gerichtsbarkeit, das seit 1906 unter dem Titel Kersten/Bühling, Formularbuch und Praxis der Freiwilligen Gerichtsbarkeit für Notare und Rechtsanwälte unentbehrlich ist. 1871 kauft Otto Löwenstein, ein Enkel Carl Heymanns, den Verlag und übernimmt die Leitung.

Spezialisierung bringt nachhaltigen Erfolg

Löwenstein erkennt nach der deutschen Reichsgründung im Januar 1871 schnell die Bedeutung der künftigen gesetzgeberischen Aufgaben für seinen Verlag und leitet die Spezialisierung hin zu einem rechts- und staatswissenschaftlichen Programm ein, die das Unternehmen in den Folgejahren zu einem bedeutenden Verlagshaus werden lässt. Der Erwerb einer Druckerei unterstützt den Erfolg. Periodika werden jetzt nachhaltig gefördert: 1872 erscheint das Centralblatt für das Deutsche Reich, 1877 folgt das Patentblatt des Kaiserlichen Patentamts, mit dem das bis in die Gegenwart weiter ausgebaute Verlagsgebiet Gewerblicher Rechtsschutz begründet wird, und 1879 folgt erstmals die Zeitschrift für Deutschen Zivilprozess. 1890 bezieht der Verlag das erste eigene Gebäude im Berliner Regierungsviertel; Otto Löwenstein erweitert das Verlagsprogramm und steigert die Titel-Produktion, die 1896 schon bei 190 liegt – darunter die erste Ausgabe des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), von der innerhalb weniger Tage über 20.000 Exemplare ausgeliefert werden. Die Publikation des BGB vor seinem Inkrafttreten ist ein schlauer Schachzug Löwensteins, der damit den Nerv der Zeit trifft: Die Forderungen nach einer systematischen Zusammenfassung des geltenden Rechts zwischen Bürgern waren seit der Gründung des noch jungen Deutschen Reichs immer lauter geworden; zudem wurde die gesellschaftliche Debatte darüber durch den sogenannten Kodifikationsstreit weiter angefacht. Mit dem Inkrafttreten am 1. Januar 1900 setzt das BGB der Rechtszersplitterung ein Ende und regelt seither die Rechtsbeziehung von Privatpersonen mit dem Leitbild von Gleichheit und Freiheit aller Bürger.

Otto Löwenstein führt das Unternehmen mit Geschick und Weitsicht, wenngleich sich der Verlag am Ende des Ersten Weltkriegs erheblichen Schwierigkeiten gegenüber sieht: viele Mitarbeiter waren gefallen und innenpolitische sowie ökonomische Verhältnisse waren unübersichtlich. Trotzdem: Der Verlagsbereich Periodika umfasst kurz nach der Jahrhundertwende bereits 64 Zeitschriften und Jahrbücher. Zum hundertjährigen Bestehen des Carl Heymanns Verlags kommt 1915 eine Festschrift mit Aspekten der Unternehmensgeschichte und einem mehr als 300-seitigen Verlagsverzeichnis heraus. 1918 übernimmt Annie Gallus, die Adoptivtochter Otto Löwensteins, als Inhaberin die Leitung des Verlags. Sie entwickelt das Buch- und Zeitschriftenprogramm erfolgreich weiter und baut einen Vertriebsapparat auf. Ihre beiden Söhne treten zu Beginn der zwanziger Jahre in das Unternehmen ein. Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein wird die verlegerische Arbeit weitergeführt, auch wenn die Bedingungen immer schwieriger werden: unter der nationalsozialistischen Regierung verlieren jüdische Mitarbeiter Ämter und Berufe und jüdische Autoren werden geächtet und wandern aus. Es gelingt Annie Gallus und ihren Söhnen die nötigen Voraussetzungen für die Werke des Verlags und die Aufträge der Druckerei trotz aller Schwierigkeiten zu schaffen. 1938 bringt der Carl Heymanns Verlag den 100. Band der Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts heraus.

Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg

Einen herben Rückschlag erfährt die Erfolgsgesichte des Berliner Verlagshauses als es im Februar 1945 völlig zerstört wird und 30 Mitarbeiter zu Tode kommen. Der Treue der Autoren und Mitarbeiter sowie dem Engagement der Inhaberfamilie ist es zu verdanken, dass Verlag und Druckerei neu entstehen können. Als Bonn 1949 provisorische Bundeshauptstadt wird, stellt Annie Gallus erneut ihre unternehmerischen Fähigkeiten unter Beweis indem Sie 1950 in Bonn und Köln Niederlassungen gründet. Der Erfolg gibt ihr Recht, im selben Jahr noch wird der Carl Heymanns Verlag mit der Herausgabe und dem Vertrieb des Gemeinsamen Ministerialblattes beauftragt.

Annie Gallus entscheidet sich aufgrund der Auftragslage 1953 für die Verlegung des Verlags-Hauptsitzes nach Köln, Berlin wird eine Niederlassung. Als das Deutsche Patentamt in München seine Tätigkeit aufnimmt, entsteht dort eine weitere Dependance, was sich ebenfalls schnell als gewinnbringender Schritt entpuppt: das Unternehmen erhält den Auftrag, die 1893 im Carl Heymanns Verlag begründete die Zeitschrift Blatt für Patent-, Muster- und Zeichenwesen und das Patentblatt zu verlegen. Weitere periodische Veröffentlichungen kommen ab 1954 hinzu, wie z.B. die von der Deutschen Patentanwaltskammer herausgegebene Zeitschrift Mitteilungen der Deutschen Patentanwälte, Entscheidungen des Bundespatengerichts und Rechtsprechungskartei Gewerblicher Rechtsschutz.

Mit der Gründung des Bundesgerichtshofs werden Entscheidungssammlungen Oberster Bundesgerichte zu einem Schwerpunkt des Programms. 1954 wird die Berliner Niederlassung mit Herausgabe und Vertrieb der Entscheidungssammlung des Oberverwaltungsgerichts und 1955 der Entscheidungssammlung des Bundesverwaltungsgerichts betraut. Das Spektrum des Verlags umfasst kurze Zeit später alle Formen juristischer Fachliteratur und Carl Heymanns gehört schnell zu den führenden rechtswissenschaftlichen Fachverlagen in Deutschland. Bis 1955 werden rund 500 Titel veröffentlicht. Viele der in dieser Zeit erstmals verlegten Bücher sind heute weithin bekannte Standardwerke. 1957 übergibt Annie Gallus die Leitung des Verlags an ihren Sohn Hans-Jörg. Im März des gleichen Jahres verleiht die Universität Erlangen ihr den Titel eines Ehrendoktors beider Rechte. Nach über 39 Jahren an der Spitze des Carl Heymanns Verlags stirbt Annie Gallus 1964.

Bis zum Jahr 2006 zeichnen sich verschiedene Mitglieder der Familie Gallus für die Geschicke des Carl Heymanns Verlags verantwortlich, die das Unternehmen mit Blick auf den technologischen Fortschritt und sich entsprechend verändernden Kundenbedürfnissen weiterentwickeln. Bertram Gallus übernimmt nach dem Tod seines Vaters Hans-Jörg 1986 die Verlagsleitung. Im gleichen Jahr erscheint mit BGH-DAT die erste Rechtsprechungsdatenbank bei Heymanns, 1994 kommt die Sammlung der Entscheidungen des Bundesgerichtshofes als elektronische Ausgabe auf den Markt und 1995 startet ein Informations-Service im Internet. 2001 gehört der Carl Heymanns Verlag zu den Gründungsgesellschaftern des Online-Dienstes Legios, zudem sind jetzt Fachseminare Teil des Angebots. 2004 wird nach Bertrams Tod sein Neffe, Andreas Gallus, Geschäftsführer des Carl Heymanns Verlags.

Herausragende Juristen wie Carl Ule, Wolfgang Zöllner, Harro Mohrbutter, Karsten Schmidt, Ignaz Seidl-Hohenveldern, Wilhelm Happ, Gottfried Baumgärtel, Hans Brox, Dieter Medicus, Otto Teplitzky, Hans-Jürgen Ahrens, Hans-Joachim Knack, Romuald Singer, Dieter Stauder und viele mehr stehen seither mit ihren Standardwerken für die hohe Qualität der Veröffentlichungen des Verlags. Bis heute wurde über 15.000 Bücher im Carl Heymanns Verlag veröffentlicht, dazu eine Vielzahl von Fachzeitschriften, Loseblattwerken, Entscheidungssammlungen Oberster Bundesgerichte (BGHZ, BGHSt, BVerwGE, BSGE, BPatGE) sowie elektronische Produkte, welche immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Mit Wolters Kluwer ins digitale Zeitalter

Seit 2006 gehört der Carl Heymanns Verlag zu der Wolters Kluwer Deutschland GmbH (WKD). Unter der Leitung von Geschäftsführerin Martina Bruder bietet der Wissens- und Informationsdienstleister mit Sitz in Köln fundierte Fachinformationen in den Bereichen Recht, Wirtschaft und Steuern in Form von Literatur, Software und Services an.

Wolters Kluwer setzt weiterhin auf hochwertige Inhalte, betrachtet nun aber zusätzlich die darüber hinausgehenden Bedürfnisse seiner Kunden. In der Wissensgesellschaft von heute ist es überlebenswichtig, zu wichtigen Fragen jederzeit die richtigen Antworten zu finden. Die Beschaffung des richtigen Wissens in möglichst kurzer Zeit ist tagtäglich eine dringliche Aufgabe insbesondere für Rechtsanwälte, Patentanwälte, Notare, Justiziare und Verwaltungsjuristen. Gerade Recht, Verwaltung und Wirtschaft sind Bereiche, in denen sich das Wissen in ständiger, mittlerweile täglicher Veränderung befindet, in einem Prozess unentwegter Aktualisierung und Neuinterpretation.

Die Kompetenz von Wolters Kluwer ist es, das richtige Wissen u.a. in den Bereichen Wirtschaftsrecht, Verwaltungsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz und Strafrecht für professionelle Anwender höchst aktuell aufzubereiten und anzubieten. Dabei verbindet das Unternehmen seine hochwertigen Fachinformationen mit digitalen Anwendungen: über 70% seiner Umsätze macht Wolters Kluwer heute bereits mit digitalen Lösungen, Software und Services. Anders als im Verlagsgeschäft des letzten Jahrhunderts werden keine Einzelprodukte mehr angeboten, sondern digitale Ökosysteme, die die gesamte Wertschöpfungskette der Kunden unterstützen.

Die Übernahme der SmartLaw Media GmbH im Frühjahr 2014 führt diesen Weg fort: Mit dem Online-Spezialisten erweitert Wolters Kluwer sein Angebot auf die Endkundenbeziehung seiner Kunden und bietet nun Lösungen für juristische Standardfragen von Unternehmern und Privatpersonen an. Darüber hinaus vermittelt SmartLaw Kunden bei weitergehenden Fragestellungen an Anwälte. Für die Anwaltschaft ergibt sich so eine Selektion der wirklich interessanten Mandate.

Unter einem Dach vereint die Wolters Kluwer Deutschland GmbH neben den tradierten Verlagsmarken Carl Heymanns Verlag, Carl Link, Carl Link Kommunalverlag, Luchterhand und Werner Verlag erfolgreiche Unternehmen und Softwaremarken wie ADDISON, die Akademische Arbeitsgemeinschaft, anwalt24, AnNoText, CW Haarfeld, DictaPlus, winra, effacts, JURION, Legal Tribune ONLINE, Personalwirtschaft, SmartLaw und TriNotar.

Jubiläumsjahr 2015: Blick zurück nach vorn

Zum 200. Geburtstag des Carl Heymanns Verlags gab es bereits am 3. Februar 2015 mit der Übergabe des 200. Bandes der BGHZ-Entscheidungssammlung an die Präsidentin des Bundesgerichtshofes Bettina Limperg einen Festakt.

Seit der Gründung des Carl Heymanns Verlags haben mehr als sieben Juristengenerationen mit Publikationen von Heymanns erfolgreich gearbeitet. Mit Stolz blickt Wolters Kluwer auf die Geschichte des Verlags zurück und sieht sich auch für die Zukunft verpflichtet, seinen Kunden rechtssicheres Wissen dort zur Verfügung zu stellen, wo sie es benötigen und so echten Mehrwert für sie zu schaffen.